Über den Bunker

Die Geschichte des Bunkers in der Methfesselstraße /Langenfelder Damm

Der Polizeipräsident von Hamburg gab am 19.11.1940 den Bau des Bunkers in Auftrag.

Das Grundstück wurde ausgesucht, da es unbebaut war und in der Gegend ein Mangel an Schutzräumen bestand, zumal viele der Häuser über keine Kellerräume verfügten.

1942 kaufte der Reichsfiskus das Grundstück.

Die Betonarbeiten für den Bunker geschahen –mit zeitlichen Unterbrechungen- in der Zeit zwischen dem 29.5.1941 und dem 1.7.1942. Die Stärke der Bodenplatte beträgt 1,40 m (mit Baustahlmatten verstärkt). Darauf wurde noch eine Schicht Magerbeton von 0,80 m Höhe geschüttet, so dass die Oberkante Innenboden heute etwa 0,20 cm oberhalb der umliegenden Erdoberfläche liegt.

Die Stärke der Außenwände beträgt 1,10 m bewehrter Beton, die der Zwischenböden 0,20 m.

Auf den Wänden des obersten (5.) Geschosses liegen Eisenträger (sog. Doppel-T-Träger) im Abstand von 15 cm. Zwischen ihnen liegen Betonplatten. Darauf folgt die 1,40 m stark armierte Betondecke.

Insgesamt wurden etwa 3.050 m³ Beton und 280 t Eisen verarbeitet. Der Beton wurde in bis zu drei Betonmischmaschinen vor Ort hergestellt und in elektrisch betriebenen Fahrstühlen nach oben befördert.

Im Rahmen der regelmäßigen Betonkontrollen wurden außen und innen an den Außenwänden beträchtliche Kiesnester festgestellt, die fachgerecht ausgebessert worden sind. Der Baufirma wurden deswegen bei der Abrechnung 1.090,– RM abgezogen (bei Kosten für Erd- und Bauarbeiten in Höhe von rd. 460.000,– RM).

Nach den ursprünglichen Plänen waren 489 Liegestellen und 111 Sitzplätze vorgesehen. Wegen Platz- und Materialmangel wurde jedoch auf Liegestellen zu Gunsten von Sitzplätzen verzichtet. Im Dezember 1942 berichtet das Inventarverzeichnis u.a. über 220 Bänke je 1,50 m lang (=3 Sitze) und 130 Bänke je 2,00 m (= 4 Sitze), d.h. zusammen 1.280 Sitzplätze. Dazu sei angemerkt, dass die Bunker in der Praxis häufig mit dem 2- bis 3-fachen belegt waren.

Um die hellen Betonaußenflächen zu tarnen, wurde der Bunker mit rötlich-bräunlichen großen rechteckigen Flächen bemalt und ab 4.12.1942 offiziell in Benutzung genommen. Die rötlich-bräunliche Tarnbemalung ist heute teilweise wieder sichtbar.

In den Jahren 1946/47 nutzt die damalige Sozialverwaltung den Bunker als Warenlager.

Zwischen 1948 und 1950 beabsichtigte ein Mieter, der den Bunker als Lager nutzte, im größeren Maß Fenster in die Außenwände einzubrechen. Tatsächlich wurde nur ein Fenstereinbruch rechts neben dem Eingang zum Lagenfelder Damm ausgeführt.

Ende der 50-er Jahre kam es zu ersten Planungen für eine Wiederherstellung von Bunkern. Für diesen Bunker wurden 1960 die Vorplanungen aufgenommen. Im August 1962 gab die Höhere Baupolizeibehörde („Baupolizei“) die Zustimmung zur Instandsetzung. Nach drei Jahren wurde die fertige Anlage am 17.12.1965 an das Bezirksamt Eimsbüttel, damalige Abteilung für Katastrophenschutz und Zivile Verteidigung übergeben und war zur Zeit des kalten Krieges als Atomschutzbunker deklariert. Von hier wurde die Wartung und Pflege im Auftrag des Bundes bis 2007 durchgeführt.

Im Zuge der Bauarbeiten war im Bunker eine 0,60 m starke Zwischenwand errichtet worden, die den Bunker in zwei Hälften teilte. In dieser Zwischenwand gibt es nur einige etwa 0,65 x 0,80 m große Durchlässe, die druck- und gasdicht verschlossen werden können.

Vorgesehen war die Anlage für einen 14-tägigen Aufenthalt von rund 890 Personen. Ihnen standen ca. 300 Liegeplätze und ca. 590 Sitzplätze zur Verfügung, die im 8-Stunden Schichtbetrieb zu wechseln waren. Die Sitzplätze bestehen aus ebenen Holzflächen ohne Sitz- und Rückenmulden. Zur für derartige Bunker üblichen Ausstattung gehören u.a. eine Notstromanlage mit großem Diesel (noch vorhanden), ein Tiefbrunnen (inzwischen ordnungsgemäß zurückgebaut) und eine umfangreiche Luftversorgungsanlage mit einem großen Sandfilter (noch vorhanden) und acht großen Filtern (inzwischen ordnungsgemäß entsorgt). Außergewöhnlich bei diesem Bunker ist in jeder Bunkerhälfte das Vorhandensein einer Küche mit je zwei elektrisch beheizbaren Kochkesseln (100 l und 200 l), sowie eine große Anzahl von Wandaschenbechern..

An Ausrüstungsgegenständen waren für die knapp 900 Personen im Bunker vorhanden u.a. Wolldecken, Handtücher, Küchengeräte, Plastiknäpfe, Plastiklöffel, Babykleidung, Seife, Toilettpapier, Reinigungsgerät, Werkzeug u.v.a.m. Verpflegung war nie eingelagert, sie wäre erst in einer Spannungszeit herangeschafft worden.

 

*Fotos und Text: Klaus Pinker, Hamburger Unterwelten e.V. , Januar 2016